So niedlich Marder wirken – im eigenen Dachboden werden sie schnell zum Albtraum. Sobald der Störenfried ins Haus schlüpft, ist Tempo gefragt. Denn der nächtliche Unruhestifter sorgt nicht nur für Krach, sondern oft auch für teure Schäden. Aber wie wird man den nachtaktiven Marder mit möglichst schonenden Mitteln schnell wieder los?
Warum Marder so hartnäckig bleiben
Im Haus machen die Tiere selbst vor der Wärmedämmung nicht Halt. Dazu kommt der nächtliche Lärm, der Hausbewohnern den letzten Schlaf raubt. Obendrein hinterlassen Marder verschmutzte Dachstühle und einen penetranten Verwesungsgeruch, wenn sie Beutetiere verstecken, wie myHOMEBOOK (gehört ebenfalls zu Axel Springer) bereits berichtete. Die Schäden dabei können enorm sein. Jedes Jahr entstehen durch Marder Millionen Euro Versicherungskosten an Häusern und Autos.
Sind sie erst einmal drin, wird es schwierig. Viele Hausbesitzer berichten von regelrechten Marder-Martyrien über Jahre. Ein nächtlicher Besuch klingt schließlich angsteinflößend.
Experte Krüger erklärt Marder-Verhalten
Dr. Hans-Heinrich Krüger hat Steinmarder lange erforscht. Der Wildbiologe sagt: „Marder sind sehr empfindliche Tiere, die sich nur sehr schwer fangen lassen. In der Regel meiden sie alles Neue, ziehen sich dann erstmal zurück.“ Doch die Tiere seien auch neugierig. „Nach einiger Zeit kommen Marder wieder zurück“, so Krüger.
Welche Gerüche wirklich helfen
Immer wieder heißt es, Marder könne man mit bestimmten Düften fernhalten. Laut Krüger bringt das meist wenig. Eine Ausnahme jedoch ist Menschengeruch. Der Experte erklärt: „Denn Marder wurden über Jahrhunderte in Fallen gefangen. Insofern meiden Marder Menschengeruch, der nun einmal den Fallen anhaftet.“ Gemeint ist vor allem Schweißgeruch, zum Beispiel von einem getragenen Socken. Den könne man an den betroffenen Stellen auslegen.
Streit um Duftmethoden
Ob Duftstoffe die sensiblen Tiere wirklich vertreiben, ist umstritten. Im Internet kursiert sogar der Tipp, den Dachboden mit Eigenurin zu markieren. Doch hilft das?
Julian Heiermann vom NABU sagt: „Ob man die Tiere anhand von starken Düften und Geräuschen vertreiben kann, liegt an der Beharrlichkeit der Anwendung und auch an den für Marder alternativ vorhandenen Versteckmöglichkeiten in der Umgebung. Menschlicher Urin könnte hier durchaus ein wirksames Mittel zum Vertreiben von ungebetenen Untermietern sein, doch aus hygienischer Sicht ist das sicherlich auch zu hinterfragen.“ Auch Krüger bleibt bei der Urin-Methode skeptisch.
Lärm als Marder-Killer
Heiermann verrät einen deutlich hygienischeren Trick: „Da Marder sehr geräuschempfindlich sind, kann man es mit einem kleinen Radio versuchen, das Lärm macht und mittels einer Zeitschaltuhr gesteuert wird. Marder sind nachtaktiv und suchen sich für den Tag ruhige Verstecke. Ein nerviger Radiosender kann da schnell zum Ruhe-Killer werden und die Tiere vertreiben.“ Krüger warnt dabei jedoch vor dem „Gewöhnungseffekt“.
Wie man Marder fernhält
Den Marder zu verjagen, ist das eine. Ihn am Zurückkommen zu hindern, ist viel schwieriger. Hausbesitzer müssen alle Löcher und Ritzen finden und stopfen. Denn Schuld sei nicht der Marder. „Es sind die Dachdecker, die Häuser nicht marderdicht bauen“, so Krüger. Kein Schlupfloch dürfe größer als vier oder fünf Zentimeter sein.
Auch Heiermann sieht das so. „Um Marder dauerhaft als Untermieter ausschließen zu können, sollte man tatsächlich versuchen, potenzielle Zugänge zu verschließen oder unerreichbar zu machen. Wichtig ist dabei, keine Tiere versehentlich einzuschließen.“
Spuren verraten den Einstieg
Wer Einstiegshilfen sucht, sollte Krügers Tipp beachten: „Im Winter können Spuren im Schnee – so er denn liegt – verraten, wie der Marder ins Hausdach kommt. Im Sommer kann ein Sandbeet auf dem Dachboden Hinweise zum Einstieg geben.“
Wie Marder ins Haus gelangen
Ein großer Klassiker hierbei sind Bäume, die zu nah an der Fassade stehen. Krüger erklärt, dass Marder hoch springen können. „Locker bis zu 1,5 Meter! Deswegen sollten Bäume auch so weit vom Haus weg stehen.“ Stehen sie zu nah, müssen Äste abgesägt werden.
Hilfreich kann auch eine Baummanschette aus Hartplastik oder Blech sein. „Damit der Marder die Manschette nicht überwinden kann, muss diese eine ausreichende Breite von mindestens 60 Zentimetern haben“, sagt Krüger. Auch Wasserfallrohre nutzen die Tiere gerne. Im Handel gibt es dafür Manschetten mit Edelstahl-Dornen.
Strom schreckt ab
Kompliziert wird es bei niedrigen Anbauten wie Carports. Krüger setzt hier auf Strom. „Das Topmittel gegen Marderbesuch ist ein Weidezaungerät. Das gibt es für rund 200 Euro im Handel und ist, richtig installiert, hochwirksam.“ Kommen die Tiere damit in Kontakt, erschrecken sie und verschwinden. Schonend ist die Methode aber nicht.
Fangen oder töten? Was erlaubt ist
Das Vertreiben ist erlaubt, das Fangen oder Töten nur sehr eingeschränkt. „Nur Jäger dürfen Marder fangen oder auch töten. Auch schon der Versuch, die Tiere mit einer Lebendfalle zu fangen, muss einem Jäger überlassen werden. Laut Tierschutzgesetz darf man den Tieren kein Leid zufügen, die ordnungsgemäße Jagd ist hierbei ausgenommen“, so Heiermann.
Krüger verweist zusätzlich auf die Landesjagdgesetze. Fangen oder Töten sei aber ohnehin nicht sinnvoll, „da der nächste Marder schon auf ein freies Revier wartet“. Ein erwachsenes Pärchen hat sein Gebiet, alle anderen werden vertrieben.
Keine Schonzeit für das Vertreiben
Schonende Methoden wie Lärm oder Düfte sind laut Gesetz das ganze Jahr erlaubt. Heiermann sagt, Marder könnten ihre Jungen in ein neues Versteck bringen. „Um es den Wildtieren aber nicht zu schwer zu machen, sollte man in der Hauptaufzuchtzeit, etwa April bis Ende Juni, wenn möglich auf Vergrämungsmaßnahmen vorerst verzichten.“
Was darf der Kammerjäger?
Auch der Schädlingsbekämpfer darf Marder nicht töten. „Kammerjäger dürfen zwar keine Fallen aufstellen oder gar Gift gegen Marder einsetzen, doch wenn diese zulässige Vergrämungsmethoden anbieten, dann kann man auch deren Hilfe in Anspruch nehmen“, sagt Heiermann.