Кай Визингер: «Отмена культуры — это конец всего искусства» | Развлечение

Berlin – [–>Was zählt im Leben wirklich? Schauspieler Kai Wiesinger (u. a. „Tatort“ und „Das Traumschiff“) hat mit „Zurück zu ihr“ einen bewegenden Roman über ein 30. Klassentreffen geschrieben. Darin blickt die Hauptfigur Jan zurück aufs bisherige Dasein.

Neben witzigen Schilderungen und liebevollen Anekdoten gibt es auch schlüpfrige Sätze über eine Ex-Freundin wie: „Eigentlich hat sie nur tolle Brüste gehabt“. Kann man so was heutzutage noch schreiben?

Wiesinger zu BILD: „Ich finde es ganz wichtig, dass man ehrlich ist. Wenn wir Geschichten nicht mehr so erzählen, wie wir sie wirklich empfinden, sondern jetzt auch noch in der Literatur anfangen, das Kommunikationskonstrukt unserer Gesellschaft aus vorauseilendem Gehorsam in die Literatur zu übernehmen, dann ist, glaube ich, alles vorbei.“

Gab es vor der Veröffentlichung keine inhaltlichen Diskussionen mit seinem Verlag? Dazu Wiesinger: „Doch. Es wurden mehrere Sachen herausgenommen. Aber diese ganze Cancel Culture ist einfach eine Katastrophe in der Realität. Ich glaube, sie ist das Ende jeder Kunst.“

Nach mehreren Sachbüchern (u. a. „Der Lack ist ab“) hat Wiesinger erstmals einen Roman geschrieben

Foto: Scherz

Kai Wiesinger will Fragen stellen

Er sei Schauspieler geworden, weil er es so interessant fand, mit Kunst Fragen zu stellen und den Horizont von Menschen zu erweitern: „Den Zuschauern also keine vorgefertigten Antworten zu liefern und zu sagen: ‚Ihr müsst euch so und so verhalten‘, sondern durch Fragen gemeinsam herauszufinden: ‚Was könnte die Wahrheit sein? Wie sollten wir miteinander umgehen?‘ Da finde ich, ist es ganz, ganz wichtig, dass ich total ehrlich von mir ausgehe und sage: Wie ticke ich als völlig durchschnittlicher Mann?“

Sein Fazit: „In echt sind wir uns alle unvorstellbar ähnlich – mit minimalen Abweichungen. Der eine mag gern Autos, der andere lieber Fahrräder. Es ist einfach ein völliger Blödsinn anzunehmen, der Mensch an sich hätte sich so riesig verändert.“

Sind seit elf Jahren verheiratet: Bettina Zimmermann (50) und Kai Wiesinger

Sind seit elf Jahren verheiratet: Bettina Zimmermann (50) und Kai Wiesinger

Foto: WireImage

Kai Wiesinger wirbt für Toleranz

Der Schauspieler arbeite gern und gut mit jungen Leuten zusammen: „Ich habe durch meine Kinder – meine älteste Tochter ist 27 – auch Diskussionen über eine unterschiedliche Sicht auf die Welt. Und ich glaube, wir lernen beide dadurch irrsinnig viel voneinander. Ich muss nicht der gleichen Meinung sein wie heute eine 27-jährige Frau, aber ich muss ihre Meinung tolerieren und erwarte genauso, dass meine toleriert wird – ohne zu sagen, die ist richtig oder falsch.“

Es sei wichtig, einfach immer im Dialog zu bleiben: „Und wenn wir im Dialog bleiben wollen – finde ich – ist es zwingend, dass wir uns auch zugestehen, unsere tatsächliche Meinung zu sagen – und nicht per se irgendeine Schablone, die ich vorgefertigt habe, um zu gefallen.“



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