Olbernhau (Sachsen) – [–>Ihre Knacker wurden mehrfach prämiert, zählen zu den besten Würsten in Sachsen. Doch das ist bald Vergangenheit: Die Traditions-Fleischerei Kempe GmbH stellt bis spätestens Ende Februar 2026 ihren Betrieb komplett ein. Und das nach 136 Jahren.
Anfang November ging der Familienbetrieb aus dem erzgebirgischen Olbernhau in die Insolvenz. Offene Rechnungen, die nicht mehr beglichen werden konnten, zwangen ihn in die Knie.
Insolvenzverwalter Frank Milimonka zu BILD: „Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf einen Betrag im mittleren sechsstelligen Bereich.“ 50 Gläubiger stünden auf der Matte. Die Hoffnung, einen Investor für die Fleischerei mit sieben Filialen zu finden, haben sich zerschlagen.
Das sagt der Chef des Unternehmens
Geschäftsführer Volker Straßberger zu BILD: „Wir haben alles versucht und gehofft, einen Nachfolger zu finden. Leider vergeblich.“ Die Fortführung des Betriebs sei ausgeschlossen. Für ihn liegt das auch in der aktuell schlechten wirtschaftlichen Lage in Deutschland begründet, die Investitionen und Geschäftsübernahmen bremst. Ins Schlingern geraten sei das Unternehmen, das 1889 von Herrmann Kempe gegründet wurde und für die besten Knacker Sachsens bekannt ist, innerhalb der vergangenen zwei Jahre.
Geschäftsführer und Fleischermeister Volker Straßberger (66): „Wir haben alles versucht“
So kam es zu der Insolvenz
Straßberger, der mit seiner Frau Gabriele (66) für die Geschicke der Fleischerei verantwortlich zeichnet, nennt auch Straßenbauarbeiten als Gründe für die finanzielle Schieflage: „Die Kunden konnten gar nicht mehr vor unseren Filialen halten. Überall wurde Glasfaser verlegt, überall waren Baustellen“, sagt er zu BILD.
Das Unternehmen aus dem Erzgebirge ist über die Region hinaus für seine Wurstwaren bekannt
Was jetzt mit den Mitarbeitern passiert
Drei Kempe-Niederlassungen wurden bereits geschlossen. 22 Mitarbeiter sind in den Filialen noch beschäftigt. Sie müssen laut Insolvenzverwalter jetzt mit ihrer Kündigung rechnen. Einige Beschäftigte haben das Unternehmen bereits verlassen, teilweise auch eine neue Arbeitsstelle gefunden.
Die Fleischerei wurde von Herrmann Kempe am Hauptsitz im Olbernhauer Ortsteil Blumenau gegründet. Das Foto stammt aus den frühen Jahren des Traditionsunternehmens
Es ist das Ende einer langen Firmengeschichte im Erzgebirge: Über vier Generationen befand sich der Betrieb im Familienbesitz.
Wehmütig sagt Geschäftsführer Straßberger, der seinen Fleischerberuf von der Pike auf gelernt hat, zu BILD: „Keiner will mehr Verantwortung übernehmen.“