Mallorca – [–>Ein Zugriff der spanischen Polizei sorgt für Schlagzeilen: Drei mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe „The Base“ wurden in der Provinz Castellón (Spanien) festgenommen – darunter der vermutete Anführer des spanischen Ablegers. Bei der Razzia stellten die Ermittler neun Waffen, Munition, taktische Ausrüstung und neonazistisches Propagandamaterial sicher.
Der aktuelle Fall zeigt, wie gefährlich und international vernetzt rechte Strukturen bis heute sind – und wie hartnäckig sie sich in Europa halten. Genau dieses düstere Kapitel beleuchtet auch die neue Dokumentarserie „Les Illes Balears sota la creu gammada“, die den kaum bekannten Einfluss des Nationalsozialismus auf Mallorca und die Balearen aufarbeitet. Die Doku zeigt, wie tief der Einfluss des Nazi-Regimes auf Mallorca und die Balearen reichte – von den ersten deutschen Ankömmlingen bis zur Flucht und Tarnung von Nationalsozialisten nach dem Zweiten Weltkrieg.
Waffen, taktische Ausrüstung und Nazi-Propaganda wurden sichergestellt
Eine Serie über Verfolgung, Kollaboration auf Mallorca
In „Les Illes Balears sota la creu gammada“ zeichnet Regisseur Dani Cuesta eine Geschichte von Verfolgung, Kollaboration und unfassbaren Schicksalen nach, die über Jahrzehnte das Leben auf den Inseln prägten. Die fünfteilige Serie will historische Lücken schließen und Geschichten ans Licht bringen, die lange im Schatten lagen.
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„Ich fand es eine faszinierende Geschichte, die über eine Figur hinausgeht und einen jahrzehntelangen Lebenszyklus umfasst“, sagt Cuesta zur Zeitung „Ultima Hora“. Die Serie zeigt politische Dissidenten, die auf Mallorca Schutz suchten, die Verfolgung deutscher Juden auf der Insel, die Angst der mallorquinischen Xuetes vor Deportation und die Rolle mallorquinischer Militärstützpunkte. Auch die Zusammenarbeit zwischen dem Franco-Regime und den Nazis wird offengelegt.
Vergessene Geschichten deutscher Nazis auf der Insel
Dokumentiert werden außerdem Geschichten deutscher Nationalsozialisten auf Mallorca, vom Hauptquartier der NSDAP in Palma bis zu Figuren wie dem britischen Konsul Alan Hillgarth, der vielen Menschen heimlich die Flucht ermöglichte. Eine Folge widmet sich den „Unerwünschten“, wie der Familie Holzinger, die vor den Nazis floh und deren Schicksal tragisch endete. Auch die Lebensgeschichte des jüdischen Ehepaars Heinemann wird erzählt, das sich in Palma niederließ und 1940 starb.
„Dies ist ein Projekt, das lebendig ist“, erklärt Cuesta. Das Team recherchiere weiter, spreche mit Historikern, durchforste Archive und suche nach Zeitzeugen. Menschen auf Mallorca erzählten ihm noch heute von rätselhaften Deutschen in früheren Hotelzimmern – Spuren, die bis in die 1930er und 1940er Jahre zurückreichen.
Serie Mitte 2026 zu sehen
Ein weiteres Kapitel zeigt die Deportation menorquinischer Republikaner in deutsche Konzentrationslager und beleuchtet die Schicksale von Mallorquinern, die aufseiten der Nazis kämpften. Das letzte Kapitel, „El Refugi“, erzählt Mallorca als Zufluchtsort – für Täter wie für Widerstandskämpfer. Darunter Thomas Harris Rodríguez vom MI5, der von der Insel aus gegen die Nazis arbeitete, oder Anton Emmerich Zischka, ein Nazi-Agent, der unbehelligt in Pollença weiter publizieren konnte.
Die neue Serie soll ab Mitte 2026 zu sehen sein – und verspricht, ein Kapitel der mallorquinischen Geschichte zu öffnen, das lange verschlossen blieb.