Nanu, was ist da denn los?
Die Entscheidung, ob das Nations League-Finale gegen Spanien (0:3) am Dienstagabend das letzte Länderspiel von Ann-Katrin Berger (35) war, oder ob unsere Torwart-Titanin auch im nächsten Jahr im deutschen Tor steht, ist noch immer offen. Ein jetzt schon unangenehmes Kaugummi-Thema. Und nun droht es sogar unwürdig zu werden.
Nach der EM im vergangenen Sommer sollte es keine Zukunftsentscheidung um Bergers DFB-Karriere geben. Es hieß, man werde sich am Rande der vier Nations League-Spiele im Herbst zusammensetzen und entscheiden. Im Halbfinale gegen Frankreich fehlte Berger verletzt. Nun gegen Spanien spielte sie zweimal. Aber geredet wurde nicht – zumindest nicht miteinander.
Stattdessen gab es nach dem Spiel in Madrid öffentliche Aussagen, die wie ein Positionskampf für den entscheidenden Austausch wirken. Berger sagte nach der Niederlage gegen Spanien: „Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein und freue mich auf das nächste Jahr, um zu sehen, was noch in der Mannschaft steckt.“ Und weiter zu einer möglichen WM-Teilnahme 2027 in Brasilien: „Brasilien ist ein fußballverrücktes Land, in dem es sicher Spaß macht. Wenn die Trainer mich haben wollen und wir uns einig sind, werden wir sehen, was die Zukunft bringt.“
Die deutschen Torhüterinnen Ann-Katrin Berger (l.), Stina Johannes (25/2. v. r.) und Ena Mahmutovic (21/r.) mit Torwart-Trainer Michael Fuchs (55)
Bergers klare Botschaft: Sie steht für ein Weitermachen bereit. Würde nur das Go des Bundestrainers fehlen. „Aber das bekommen Sie jetzt nicht von mir“, sagte Christian Wück (52) kurz nach Bergers Aussagen. Der Coach: „Wir setzen uns zeitnah zusammen. Und dann werden wir noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällen.“
Heißt: Das Gespräch von Wück und Berger, an dem auch Torwart-Trainer Michael Fuchs (55) teilnimmt, wird bis spätestens zur EM-Vergabe am Mittwochnachmittag geführt – aber es ist noch immer nicht die Entscheidung. Offenbar macht sich der DFB-Trainerstab danach noch einmal Gedanken.
Grund für die lange Entscheidungsfindung: Berger ist aktuell die beste deutsche Torhüterin. Der DFB will aber am liebsten sofort die Nummer 1 für die WM 2029 in den Kasten stellen. Nach BILD-Infos gibt es Zweifel daran, dass Berger in eineinhalb Jahren noch Form und Gesundheit hat. Daher wird intern über die Alternative nachgedacht, schon ab dem nächsten Länderspiel ihre Nachfolgerin ins Tor zu stellen und ihnen Spielpraxis zu geben. Das wären wohl Wolfsburgs Stina Johannes (25) oder Bayerns Nummer 1, Ena Mahmutovic (21), die aktuell aber noch nicht konstant so leistungs- und persönlichkeitsstark sind wie Berger.
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So besteht für den DFB ein großes Risiko bei einem Torhüterinnen-Wechsel: Patzt die Nachfolgerin, wird der Ruf nach Berger so laut, wie er bei den Männern nach Manuel Neuer (39) war oder ist. Und noch wichtiger: Eine Absetzung gegen ihren Willen als Nummer 1 hat Berger mit ihren starken Spielen und ihrem einwandfreien Charakter nicht verdient.