Gießen – [–>Akkurat gescheitelt und blitzsauber: So präsentiert sich der AfD-Nachwuchs bei seiner Neugründung in Gießen (Hessen).
Doch die Parteijugend ist noch immer radikal – die Frage ist nur: Ist sie auch wieder so rechtsextrem wie ihr Vorgänger, die „Junge Alternative“? Die musste aufgelöst werden, weil ein Verbot drohte.
Die Gretchenfrage nun in Gießen an diesem Wochenende lautet: Wird das die Höcke- oder die Weidel-Jugend?
Was draufsteht, stand lange fest: Die neue AfD-Jugend heißt „Generation Deutschland“. Aber was steckt drin? Und da sind Zweifel am Wandel angebracht.
Parteichefin Alice Weidel (46) will eine Kaderschmiede für ihre Partei
Die „Junge Alternative“ war die Kampftruppe von AfD-Faschist Björn Höcke: Sie marschierte für den Thüringer und er nutzte die Jugend, um auf Parteitagen seine Regie durchsetzen zu können. Und auch in Gießen nun: Höcke zwar nicht auf dem Podium und nicht am Rednerpult, aber in Reihe eins – und mit den Seinen sehr präsent. AfD-Parteichefin Alice Weidel ließ keinen Zweifel daran, was sie von der neuen Parteijugend fordert: eine Kaderschmiede für die Partei. „Ihr seid die nächste Generation für unsere Partei. Nach mir, nach Tino Chrupalla.“
In der Hessenhalle zeigen sich der Parteijugend vor allem Rechtsaußen-Abgeordnete der AfD aus Bund und Ländern. Darunter die Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich (37) und Stephan Protschka (48). Sie suchen das Gespräch mit den jungen Delegierten.
Einer von Rechtsaußen ist Kevin Dorow (27) aus Schleswig-Holstein. Er will in den Vorstand der neuen AfD-Jugend und sagt zu BILD, was das hier in Gießen werden soll: „Eine Kaderschmiede für die Neue Rechte, für Funktionäre und Amtsträger.“
Kevin Dorow will in den Vorstand der AfD-Jugendorganisation
Dorow macht klar, dass sich eben nicht alles ändern soll im Vergleich zur alten, aus Verbotsangst aufgelösten Jugendtruppe: „Wie bei der Jungen Alternative auch, soll der gemeinschaftliche Aspekt eine große Rolle spielen, gemeinsame Freizeitaktivitäten wie unsere Boxtrainings, die wir in Schleswig-Holstein angeboten haben.“ Die galten allerdings als Vorbereitung auf den Straßenkampf und sehr altbekannte Sport-Riten bei den Ganzrechten.
Und was soll geschult werden? Dorow: „Rhetorik, wie man sich ausdrückt und wie der politische Apparat funktioniert, eben das, was die Altparteien schon seit Jahrzehnten machen.“
Partei-Urgroßvater Alexander Gauland (84) jedenfalls rief – per Videobotschaft – zu: „Seid radikal – aber nicht extrem.“ Doch einer aus der Parteiführung sagt: „Wir haben ja nicht plötzlich neuen Nachwuchs. Die Radikalen sind nicht weg – aber hoffentlich schlauer!“
Auffällig: Während Weidel schon nach kurzer Zeit wieder weg war – Richtung BaWü –, blieb Höcke in der Halle bei der Jugend.